Das Biest scharrt mit den Hufen…

und ich gewöhne mich an das Leben im Van. Seit ich Mitte 20 bin hatte ich den Traum, mit einem ausgebauten Transporter durch Europa zu fahren und mir das Leben anzuschauen. Aus guten Gründen wurde nichts daraus: da war der tolle Job, den ich gerade begonnen hatte, die neue Freundin, das Studium, die Selbstständigkeit… So bin ich jahrelang mit dem Motorrad durch Ost- und Westeuropa getingelt und habe nichts vermisst. Auf meinem ersten Weltreisetreffen war der alte Traum dann plötzlich wieder da und wurde durch viele Gespräche beflügelt.
Drei Jahre später sitze ich im IKEA-Reastaurant und erdulde einen infernalischen Lärmpegel, der sich aus klappernden Geschirrwagen, babylonischem Stimmengewirr und nach leibeskräften schreienden Kindern zusammensetzt, nur um kostenloses Wlan zu genießen. Sobald die lieben Kleinen keine Kraft mehr zum Schreien haben, schlagen sie wie kleine Geisteskranke die Teller auf die Tische und werfen mit dem Besteck nach mir. Was für ein Abstieg…
Vor dem Einzug in den Van hielt ich die mangelnde Verfügbarkeit von Duschen für mein größtes Problem, aber es zeigte sich, dass Reinlichkeit auch für einen Obdachlosen machbar ist – aber Internet ist ein Problem. Zumindest auf meinen Lieblingsstellplätzen in Riechweite von Hobrechtsfelde, Zufahrtsstrassen von Windkraftanlagen und Friedhofsparkplätzen.
Die Lösung läge in einer baldigen Abfahrt: das Auto ist vollgetankt, mit vier Gläsern Senfgurken beladen und damit voll reisebereit – aber die letzten Monate bis Mitte November ziehen sich wie Kaugummi und für mich bedeutet das, das langsame Ticken der Zeiger zu ertragen und mich in buddhistischer Geduld zu üben. In der hintersten Ecke des IKEA-Restaurants…