Ein Blick nach Russland ohne Einblick

Von Kleipeda aus geht es direkt auf die Memel zu, die zwischen Rusne und Smalininkai die Grenze zwischen Litauen und Russland bildet. Auf Schotterpisten schlängle ich mich entlang der russischen Grenze und mal führt die Strecke direkt am Fluß entlang und dann wieder hunderte Meter davon entfernt. Allgegenwärtig ist sie dennoch. Mal stehen auf der russischen Seite Wachtürme, dann wieder scheint sie komplett ungesichert. Auf der litauischen Seite hingegen, sind die Grenzpfeiler nicht zu übersehen und hin und wieder steht ein Fahrzeug der Grenzpolizei in einem Seitenweg. Die Landschaft gleicht wieder einem fremden Land: dichte Nadelwälder wechseln sich mit Feldern und Wiesen ab. An manchen Stellen fahre ich für mehrere Kilometer an Kuhherden vorbei. Manche der Jungtiere, haben einen Weg durch die Zäune gefunden und lungern wie eine Jugend-Gang auf der Straße herum.
In den Ortschaften entlang der Grenze schauen mich die Menschen aus verwitterten Gesichtern an. Hier glitzert nichts, hier gibt es keinen Glamour. Nur hartes, karges Leben.
Der Stellplatz für diese Nacht liegt unweit Russlands und bietet eine beeindruckende Aussicht auf das Zarenreich. (GPS: 55.088376, 22.022111)

Ein Blick Richtung Tilsit bei Tag

und bei Nacht.

Hier schweift der Blick in Richtung Neman.

Am nächsten Tag geht es an der Grenze weiter und die Suche nach einem Übernachtungsplatz lässt mich auf einen See zusteuern, der von einem kleinen Bach gespeist wird – der perfekte Ort für Mika. Ich schlängle mich über einen mit Schlaglöchern übersäten Weg, umkreise den See und stehe plötzlich vor einem Zaun mit Stacheldraht und einem ebensolchen Tor. (GPS: 54.576541, 22.70011) Erst dann sehe ich die beiden Grenzpfähle: den litauischen und den russischen… Der kleine Bach ist die Grenzlinie, die in meiner Karte blau statt schwarz eingezeichnet ist. Schöne Scheiße! Ich verzichte auf Fotos und fahre rückwärts den ganzen Weg zurück, immer in der Hoffnung, die Border Patrol nicht am Arsch zu haben – aber bemerkt wurde meine Anwesenheit mit Sicherheit.
Unterwegs komme ich dann noch einmal am Grenzzaun vorbei und mache ein Foto – irgendwie ist dieser Grenzzaun cool… :-)

Gegen Abend kehre ich an einem See (GPS: 54.4519, 22.7358) ein und verkrümel mich vor der Kälte im Bus.