Ab auf die Nerische Kuhrung – sorry, Kurische Nehrung

Nach er stürmischen Nacht und dem ständigen kalten Wind flüchte ich auf den Parkplatz 100m weiter und suche den Windschutz einer Hecke auf. Tagsüber ist es dadurch schön warm, aber gegen 18 Uhr wird es schattig und verdammt kühl und wieder einen Tag später reise ich ab. Melanie, Alex und Emma haben geschrieben, dass es in den Masuren etwas wärmer sein soll und so rolle ich in Richtung Litauen weiter. Mein Weg führt mich noch nach Kleipeda, wo es den besten Trockenfisch des Abendlandes geben soll – sagte Ignas, mit dem ich Mittsommer gefeiert habe. Ich finde auch den Stand am Hafen, aber der hat nur Räucherfisch und so geht die Reise weiter – immer auf der Flucht vor den dunklen Wolken, die mir wie ein Schatten folgen. Auf einem kleinen Parkplatz (GPS: 55.416615, 21.250962) mache ich halt und grummle still wegen des Wetters in mich hinein, als hinter meinem Auto ein weiteres Auto anhält, Türen klappen und das Gekicher der aussteigenden Insassen meine Stimmung noch weiter absinken lässt. Auf lärmende Party-People habe ich heute keinen Bock. Das Gekicher nährt sich dem Auto und dann kommen Keana und Lotta um die Ecke, mit denen ich hinter der sturmumtosten Düne bei Liepaja stand. Die Welt ist ein Dorf. Wir kochen zusammen und die Vier beschließen, dass ich sie noch auf die Kurische Nehrung begleite. Ok, überzeugt. Eigentlich stand sie nicht auf meinem Plan, aber ich bin eh in der Nähe, die Vier sind angenehme Reisepartner und Moritz erweist sich als hervoragender Koch.

Am nächsten Morgen brechen wir gegen 12 Uhr auf und rollen auf die Fähre in Kleipeda. Die Überfahrt kostet 12,70 Euro. Nachdem die Fähre anlegt erfährt der unbedarfte Reisende, dass für das Befahren der Nehrung 30 Euro zu entrichten sind. Allerdings meint das Leben es mal wieder gut mit mir, mein Bus wird nicht als Camper erkannt und so muss ich dem gierigen Kassenwart nur 20 Taler auf den Teller legen. Der Campingplatz ist mit 13,50 Euro dann fast geschenkt.
Wir richten uns ein und unternehmen noch eine Wanderung nach Nida. Hier wird der übliche Ramsch an Touristen verhökert: die Strömung muss hier in den letzten Jahren tonnenweise Bernstein angespült haben: Stände mit Bernsteinketten und faustgroßen Bernsteinklumpen reihen sich dicht an dicht. Dazwischen Hüpfburgen und Imbissstände. Ich lasse mir eine Kugel Eis für drei Euro schmecken und dann gehen wir für unser Abendbrot einkaufen. Nach dem Essen geht es an den Strand und hier erfährt der unbedarfte Reisende, dass Hunde nicht erlaubt sind – egal. Der Sonnenuntergang entschädigt mich für die Kosten: Südseegleich schweben Wolken über‘s Meer und über allem liegt eine beinahe andächtige Stille.

Den weiteren Abend verbringen wir mit „Black Balsam“, einem widerlichen Kräuterlikör, und meiner letzten Zigarre auf dem Campingplatz.
Am nächsten Tag schaue ich mir die Dünen an, die beeindruckend sind, und mich ein wenig an einen verlassenen Truppenübungsplatz in Brandenburg erinnern. Lediglich die Lage am Meer passt nicht so ganz.

Auf dem Weg zu einer der vielen Dünen kommt dann irgendwann der Zaum zum Nationalpark und wir schlängeln uns am Wasser entlang.

Den Nachmittag verbringe ich mit Auto aufräumen und Tauben füttern, während Mika abwechselnd vor dem Fahrersitz und unter dem Auto liegt.

Das Quartett verabschiedet sich am nächsten Tag – für sie geht es zurück nach Kiel und ich verbringe noch einen weiteren Tag auf dem Campingplatz und spiele mit Mika am Strand, während die Sonne langsam im Meer versinkt.

Dennoch suche ich mir alsbald einen neuen Stellplatz. Der CP ist zwar gepflegt, aber es sind so viele Menschen auf einen Haufen, dass ich mir eine stillere Ecke suchen will.

Ein paar Kilometer weiter nördlich finde ich einen schönen Platz hinter der Düne. (GPS: 55.540624, 21.10018). Hier begegne ich Daniel und seiner Familie, die mit einem umgebauten Unimog unterwegs sind.

Dank der süßen Mika bleibt auch Marija am Auto stehen und wir schwatzen eine Weile auf englisch, wobei ihr englisch bedeutend besser ist als meins. Sie ist 14 Jahre alt und möchte mal Schauspielerin, Musikerin, Malerin oder Schriftstellerin werden und zeigt mir kleine Steine, die sie mit Figürchen bemalt hat. Möge ihr das Glück hold sein und mögen ihre Träume wahr werden. Zum Abschied macht sie ein paar Fotos von Mika und schenkt mir Himbeeren.

Nach zwei Tagen geht es auch für mich weiter nach Kleipeda: ich brauche Internet, neue Unterwäsche und was zu Essen, wäre auch nicht verkehrt. In den letzten Wochen habe ich in kleineren Märkten eingekauft und das Angebot im „Hyper-Maxxim“ erschlägt mich schier. Nach 1,5h habe ich mehr gekauft als ich ursprünglich wollte, kann dafür aber meine Suche nach leckerem Naschwerk einstellen: es gibt kein‘s. Entweder fällt man nach zwei Bissen in‘s diabetische Koma oder es ist furz-trocken oder pappig. Meist sogar beides.