Kindheitserinnerungen

Dieses Foto zeigt mich mit meinem ersten Dreirad und ist zugleich eine Erinnerung an meine wundervolle Kindheit beim Zirkus…
Die ersten Jahre meines Lebens wuchs ich im Kinderheim „Natalja Achrimenko“ in Warschau-Süd auf und wurde dort von Zirkuszwergen adoptiert. Damals war ich vier Jahre alt und spürte das erste mal, was es bedeutet, eine Familie zu haben. Da war Brikenda, die albanische Seiltänzerin, die mir zum Einschlafen Geschichten aus ihrer Jugend erzählte. Da war Juri der Schwertschlucker, der gerne einen über den Durst trank und dann singend und schwankend um Brikendas Hand anhielt. Eine Romanze die glühend begann, aber nicht lange hielt, da Juri während einer Vorstellung niesen musste und dabei in zwei gleich große Hälften geschnitten wurde. Da war Altantsetseg, die bärtige Jungfrau aus dem fernen Orient, mit deren Barthaar ich flechten lernte und natürlich die Zwerge: die beiden Brüder Pelimataschi und Pelimatuschi und dann noch Lirum, Larum und Löffelstiel. Allesamt begnadete Artisten und zudem geschickte Taschendiebe. So mancher Zuschauer wurde um eine Taschenuhr, Manschettenknöpfe oder eine Brosche erleichtert und hätte doch nie die putzigen kleinen Kerle verdächtigt, die auf Bällen balancierend und Keulen schwingend durch die Manege tollten. Das Diebesgut wurde in der nächsten Stadt verscherbelt und auf dem Rückweg stahlen sie das Dreirad für mich.
War ’ne tolle Zeit…!