Kurz vor Liepaja

Für uns geht es weiter in die Nähe von Liepaja. Hendrik, den ich in der Nähe von Saldus traf, hatte von Befestigungsanlagen am Strand und Bunkern im Wald erzählt, die noch zugänglich sind. Bei der Anfahrt zum Strand säumen bereits die ersten Bunker unseren Weg und wir richten uns auf dem Parkplatz ein. Bis ca. 23 Uhr kommen immer wieder Letten vorbei, die für ein Selfie auf einen der Bunker klettern, schnell eine Zigarette rauchen und dann wieder verschwinden. (GPS: 56.591392, 21.015884) Danach beginnt auch für uns die Nacht, die um vier Uhr morgens endet, weil ein heftiger Wind am Sprinter rüttelt und ich Sorge habe, dass er sich zu einem Sturm auswächst. Ich raffe alles zusammen, und hole Mika aus einem Grasbüschel, in das sie sich gerettet hat, während ich Ordnung im Auto mache. Noch etwas verpeilt finde ich einen windgeschützten Parkplatz (GPS: 56.6247, 21.035677), auf dem auch Moritz und Sandra stehen, die ich am Marienburger Friedhof getroffen habe.
Kurz vor‘m Einschlafen höre ich noch eine Fahrzeugtür klappen… Am nächsten, bzw. am selben Morgen stehen dann noch Johannes und Annemarie aus Berlin dort, die ebenfalls vor dem Wind geflüchtet sind. Moritz und Sandra sind bereits auf dem Rückweg von Tallin und verschwinden alsbald.
Mit Johannes und Annemarie frühstücke ich gemeinsam und dann trennen sich unsere Wege wieder.

Danach einkaufen in Liepaja und zurück zum windgeschützten Parkplatz. Es ist nicht mehr ganz so stürmisch wie in der Nacht, aber der Wind ist kalt und ich habe vom kalten Lettland allmählich genug. Am Nachmittag kommt noch eine Familie aus Dortmund vorbei. Christoph und Jana mit ihren Kindern Sveja und Jaron entpuppen sich als sehr angenehme Stellplatzpartner und ich habe die Freude, zwei schöne Tage mit ihnen zu verbringen. Christoph ist Ingenieur und gibt mir ein paar Tipps, mit denen ich die Performance meiner Standheizung verbessern werde. Neben den Gesprächen über Technik kochen und frühstücken wir gemeinsam und nach zwei Tagen fällt es mir schwer, mich von den Vieren zu verabschieden, aber das gehört wohl auch zum Reisen: Menschen in sein Herz zu schließen und sie dann wieder los zu lassen.

Die Tage verbringe ich mit Spaziergängen am Strand und lasse mir den Wind um die Ohren wehen. Mika angelt Stöckchen aus dem Wasser und trägt eine beachtliche Sammlung davon unter’s Auto. Insgesamt bin ich dreimal in der stürmischen See um nicht schon am Geruch als Reisender erkannt zu werden.

Strandläufer flitzen auf und ab…

Und die Wellen spülen interessantes an Land:

An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass die Ostseeküste von Lettland die Hauptroute der Touristen ist – es werden nämlich nicht weniger… Nach einem Ausflug zu den Bunkern und einer Tour über die Schotterpisten der Umgebung komme ich zurück und Alken aus Berlin schaukelt zwischen den Bäumen in einer Hängematte. Er ist Yogalehrer, hat in Indien gelebt und wir wollen gemeinsam zum Kap Kolka fahren. Vorher ziehe ich aber noch zweihundert Meter weiter hinter eine Düne (GPS: 56.626929, 21.036243). Inzwischen hat der Wind die Wolken weggeblasen und die Sonne meint es sehr gut mit mir. Nach den kalten Tagen der Vergangenheit möchte ich nun in der prallen Sonne stehen.
Am neuen Stellplatz treffe ich die nächsten Berliner: Melanie und Alex sind mit Töchterchen Emma unterwegs, die alle bestens unterhält. Auch mit ihnen koche ich und lasse mir den Frühstückstee schmecken. Viel besser als das, ist aber die tolle Idee der beiden, Nachmittags am Strand Rum-Cola zu trinken. Hatte ich noch nie und wollte ich daher mal probieren. Den Rest haben wir dann am abendlichen Lagerfeuer weg geschlürft.

Am dritten Tag brechen wir gemeinsam nach Kuldiga auf. Dort soll es Europas breitesten Wasserfall geben. Zugleich ist es wohl auch Europas unspektakulärster…

Hier verabschiede ich mich von Melanie, Alex und Emma. Das wir uns kurz vor Kap Kolka noch einmal begegnen werden, ahnen wir hier noch nicht.