Billard in Saldus und kein Sonnenbrand in Sicht

Seit ein paar Tagen stehen wir auf einem kleinen Campingplatz in der Nähe von Saldus (GPS 56.641837, 22.565841).

Mika verträgt Auto fahren nicht so gut und ich möchte ihr etwas Erholung gönnen. Und einer warmen Dusche pro Tag bin ich bei dem Wetter auch nicht abgeneigt. Seit gefühlten Ewigkeiten ist es bei 15 bis 18 Grad nicht gerade sommerlich und der Wind pfeift ungemütlich um die Ecken des Busses. Dafür bietet der Zeltplatz noch ein paar Annehmlichkeiten neben der warmen Dusche: es gibt echte Toiletten und ein Verwaltungsgebäude mit einem Seminarraum. Hier sitze ich trocken und warm, während es draußen regnet.

Kurz nach meiner Ankunft sprach mich Dainis an. Er ist 68 Jahre alt, hat hier eines der Zimmer bezogen und gibt einen Computerkurs im 15 Kilometer entfernten Saldus. Gestern waren wir dort Billard spielen und wie immer habe ich verloren.

Anschließend ging es zum Einkauf, weil ich am Abend mit Nora und Hendrik zum Grillen verabredet war. Die Beiden sind kurz nach mir hier aufgetaucht und sind auf dem Weg Richtung Estland. Der Versuch irgendwas zum Grillen für eine Person zu kaufen, erwies sich als schwieriger als gedacht. Die Litauer und Letten sind begeisterte Griller – jeder Stellplatz hat mindestens eine Grillstelle, aber die Auswahl an Grillgut ist erstaunlich übersichtlich. Und fast alles gibt es nur in der Familienpackung a 1,5 kg. Für mich etwas zu viel. Letztendlich blieb ich dann bei 500g „Fleisch-Kroketten“ hängen. Gut gewürzt und von der Konsistenz her wie ganz fein durchgedrehtes Hackfleisch. Vor ein paar Tagen hatte ich Geflügelwiener, die selbst nach dem Anbraten noch die Konsistenz von Teewurst hatte. Andere Länder, andere Geschmäcker…

Hendrik ist Hobby-Heimatforscher und sein Opa war hier während des 2. Weltkrieges als Soldat im Einsatz. Tagsüber war Hendrik in den Wäldern unterwegs und hat sich mittels GPS-Gerät, alten Landkarten und Archiv-Berichten zu den ehemaligen Kriegsschauplätzen durchgeforstet und am abendlichen Lagerfeuer Fotos von noch erhaltenen Stellungen tief in den lettischen Wäldern gezeigt. Wer sich für die Arbeit von Hendrik interessiert, wird hier fündig: https://found-places.blogspot.com/
Beim Grillen kam dann noch die Campingplatz-Katze vorbei, die sich unter der großen Linde die klamm zu Boden gefallenen Junikäfer schmecken ließ.

Die Beiden sind am nächsten Morgen leider schon weitergereist – aber ein Abschiedsgeschenk war noch drin. Danke, ich hab’s mir schmecken lassen. :-)

Heute war ich noch einmal mit Dainis Billard spielen und habe wieder alle drei Spiele verloren. Demnächst werde ich mal gegen einen Blinden antreten…

Neben der Zeltplatz-Katze gibt es hier noch zwei Hunde: einen Schäferhund und einen rattenhaften Chihuahua, der irgendwie unheimlich ist…