Geburtstagsfrühstück

In der Nacht war noch eine polnische Familie angereist und saß am frühen Morgen auf dem überdachten Picknick-Platz und hatte allerlei Schmackhaftes vor sich ausgebreitet. Was es da nicht alles gab: Brötchen, Cornflakes, Bananen und sogar eine Kanne mit frischem Kaffee stand dampfend auf dem Tisch.

Ein wenig verstohlen wünschte ich allen einen Guten Morgen und stellte meinen Kocher auf den Tisch. Von Veronica wollte ich wissen, wie viel Wasser wir bräuchten und ob es kochen müsse oder ob erwärmen genug wäre… Sie wusste es nicht. Mir dämmerte, dass sie es selber noch nie gegessen hatte und ihre Kinder und ich so etwas wie Versuchskaninchen waren.
Irgendwann kochte das Wasser, sie rührte alles zusammen und das Gelage begann.

Und siehe da – es schmeckte gar nicht mal so gut.
Die polnische Familie schenkte jedem noch ein gekochtes Ei und fuhr von dannen.

Die nächsten Stunde verbringe ich mit Abwaschen und Van aufräumen und dann setzte ich mich Richtung Lettland in Bewegung. Am Lubans-See habe ich entfernte Bekannte, die mich im letzten Sommer zu sich eingeladen haben. Wenn ich in der Nähe sei, solle ich vorbei kommen. Nein, eine Adresse bräuchte ich nicht. Wenn ich am See sei, solle ich nach den Deutschen fragen – das würde reichen. Nach der Erfahrung mit Veronicas Frühstück beschleicht mich eine böse Vorahnung, aber bestimmt wird alles gut gehen.

Die A6 Richtung Lettland ist in einem erbärmlichen Zustand und macht das Fahren zu einer Marter für das Fahrwerk. Wenn ich wieder in Deutschland bin, kommt das Auto erst mal zur Durchsicht. Den Grenzübertritt nach Lettland bemerke ich nur an den sich ändernden Straßenschildern und den besseren Straßenverhältnissen. Und endlich sind auch die Gravelroads befahrbar. Auf die Schotterpisten im Baltikum freue ich mich schon seit meiner Abfahrt in Berlin, aber in Lettland waren sie von so starken Wellblech überzogen, dass ich teilweise nur Schrittgeschwindigkeit fahren konnte, um keinen Schaden am Fahrzeug zu riskieren.

Mein Navi führt mich durch das Zentrum von Dünaburg, das mich mit seiner Kirche mit den vergoldeten Zwiebeltürmen überrascht. Der Stadtrand mit einem stalinistischen Gefängnisklotz und die Stadt als ganzes mit ihrer abenteuerlichen Verkehrsführung. An manchen Stellen wollte ich nur noch überfordert stehen bleiben und weinen. Aber irgendwann hatte ich auch das geschafft und stehe nun an einem kleinen See. (GPS: 56.064592, 26.845558) Die Besitzerin wollte für die Übernachtung gerne drei Euro haben, konnte den 5-Euro-Schein nicht wechseln und begnügte sich dann mit den 2,40 Euro, die ich noch in meiner Schatulle hatte. Eigentlich wollte ich keine kostenpflichtigen Plätze aufsuchen, aber die privaten Stellplätze, waren bisher alles sehr gepflegt. Hier gibt es neben dem Toilettenhäuschen sogar noch zwei Brennholzstapel für die beiden Feuerstellen.

Mika hatte hier ihr zweites Abendbrot und schläft zufrieden unterm Auto.

Morgen fahren wir die restlichen 100 Kilometer zum Lubans-See