Polen 01

Der Weg an die polnische Grenze ist wie immer unaufgeregt: über kleine Straßen schlängle ich mich Richtung Hohenwutzen und begegne dem knapp einen Kilometer langen Rückreisestau nach Deutschland – der Polen-Markt spuckt seine Gäste aus. Zum Glück will ich in die andere Richtung…
Ich fand Polen nie sonderlich spannend. Irgendwie sah es immer aus wie kurz nach der Wende in der DDR: grau und traurig. Ganz offensichtlich lag das aber auch an den Routen, die ich dafür gewählt habe. Diesmal geht es über kleine Landstraßen hoch zur Ostsee und Polen verzaubert mich. Verschlafene Dörfer, in der Sonne dösende Katzen, Rebhühner und Felder voll wilder Kamille, Mohn- und Kornblumen.
Der erste Übernachtungsplatz an einem See ist von Pferdebremsen bevölkert und ich flüchte ein paar Kilometer weiter auf einen Feldweg. Die Aussicht ist nicht berauschend, aber ein Feldhase kommt am Abend auf drei Meter an den Van und ich verharre an der offenen Schiebetür. Wir beobachten uns zwei Minuten und dann hoppelt er weiter.
Die Nacht endet jäh um vier Uhr, als ein Traktor den Feldweg lang tuckert, um irgendeine Flüssigkeit über die Pflanzen zu sprühen. Da hier in den nächsten Stunden keine Ruhe herrschen wird, fahre ich weiter und mache gegen acht Uhr Halt an der Dorfkirche in Rusowo. Dort schlafe ich bis 12.30 Uhr und da ich nicht im Ort übernachten mag, klappere ich die angrenzenden Seen nach einem Stellplatz für die Nacht ab. Zwischen Rosowo und Strachomino finde ich einen kleinen See
(GPS: 54.170739, 15.825596), an dem ich mich niederlasse. Die Windräder in der Nähe des Sees sorgen zwar für Hintergrundgeräusche, aber dafür ist es windig und es gibt weder Mücken noch Bremsen. Dafür aber jede Menge Frösche im See und ein großes Angebot an Wasserminze, aus der ich mir einen Tee zubereite. Dazu eine Dosensuppe mit Brotresten.
Memo an mich: Wasserminze nicht mehr kochen lassen, schmeckt scheußlich…