Speisen wie Gott in Mecklenburg

Das Wetter der letzten Tage setzt sich auch heute fort und macht den Weg nach Kuchelmiß beschwerlich: starker Regen, heftige Windböen und eine schmale, gewundene Landstraße mit LKW‘s im Gegenverkehr. Meine Fahrweise ist noch defensiver als sonst. Scheinbar bin ich aber immer noch ziemlich schnell unterwegs, den keines der anderen Fahrzeuge schafft es mich zu überholen und ich bin über mehrere Kilometer der unbestrittene Kolonnenführer.
Erst als ich eine kleine Einbuchtung am Straßenrand ansteuere, ziehen die anderen 83 Fahrzeuge an mir vorbei und hupen anerkennend.
Nach einer kurzen Orientierung mittels GPS und Landkarte finde ich den Weg nach Kuchelmiß wieder, biege auf der Landstraße am Restaurant „Zum Fischer“ links ein und lasse selbiges dort liegen. Am Ende der Straße nach rechts und dann liegt er vor mir: der weiße Flachbau, in dem ich vor ein paar Tagen so bekömmlich verköstigt wurde. „Schelski und Schulz“ prangt in roten Buchstaben über dem Eingang, ich öffne die knarrende Tür und feuchtwarme Luft umfängt mich.
Der Raum den ich betrete umfasst fünf Meter in der Breite und acht in der Länge. An seinem Ende schließt sich eine offene Küche an, in der große Töpfe auf dem Herd vor sich hin köcheln und Behaglichkeit ausstrahlen.
„Moin, moin“. Zwei Männer sitzen vor vollen Tellern an einem der Tische und begrüßen mich freundlich. Ich entgegne den Gruß mit „Guten Tag“. Es soll freundlich klingen, erscheint mir in diesem Moment aber dann doch etwas zu steif und enttarnt mich zugleich als einen „Fremden“.
Heute darf ich wählen: Gemüseeintopf mit Bockwurst oder Bockwurst mit Erbseneintopf. Ich entscheide mich für Erbseneintopf und ein randvoller Teller wird mir in die Durchreiche zur Küche gestellt. Dazu noch ein Teller mit der Bockwurst, eine Schale mit Brot und eine Schüssel mit Grießbrei und Obst. Die Farbe des Obstes kenne ich bereits vom letzten mal: hellrosa. Beim meinem letzten Besuch war die rote Grütze hellrosa. Diesmal ist es die Soße vom Dessert. Scheint hier so eine Art Stilmittel zu sein, tut dem Genuss aber keinen Abbruch… Selbst für den Hund haben die Damen aus der Küche noch eine halbe Wiener übrig. Im Gegensatz zu mir schafft dieser seine Portion. Ich hingegen mache bereits nach einem halben Teller Suppe schlapp.
Alles zum Einheitspreis von vier Euro und von Hiltraud, Ingrid und Dörte mit Liebe gekocht…

GPS: 53.681556, 12.364111