Angekommen in Mecklenburg

Die Fahrt nach Mecklenburg gestaltet sich wie immer recht eintönig. Das Autoradio singt vor sich hin und die Reisegeschwindigkeit liegt bei max. 100 km/h. Die 200 Kilometer bis Mecklenburg ziehen sich damit ein wenig in die Länge und werden nur durch ein Frühstück mit Dirk und Petra unterbrochen, mit denen ich auf einem WoMo-Stellplatz in der Mark Brandenburg verabredet bin.
Nach zwei Stunden geht es weiter zu Nicole und Uli: hier werde ich die nächsten Tage auf einen Termin in der Werkstatt warten, spazieren gehen und sonst nichts weiter tun.
Nach endlosen Asphalt-Kilometern rolle ich endlich in Liepen ein und werde, wie üblich, von der Dorf-Kapelle mit Schalmeienklängen und dem Kinderchor begrüßt, der Bachs Kantate „Wir danken dir, Gott, wir danken dir“ intoniert. Mir ist das beinahe ein bisschen unangenehm, ich hupe kurz, werfe Bonbons aus dem Fenster und fahre bei Uli auf den Hof. Hier kommen Mika und ich in einem behaglichen Gästezimmer unter, das sich im Dachgestühl eines über 100 Jahre alten Bauernhauses verbirgt. Einzig der Weg über die steile und enge Holztreppe und der Weg über den Dachboden ist unheimlig und gruselig – habe ich doch schon seit Jahren den Verdacht, dass hier irgendwo in den Nischen ein Vampir haust der nächtens sein Unwesen treibt. Einzig und allein dem Umstand, dass er zu doof ist die Tür zu meinem Zimmer zu öffnen, verdanke ich dass ich noch lebe.
Und so verbringe ich manchen Abend an Uli und Nicoles heimeligen Küchentisch bei Mandarinen-Torte, Käsesuppe und Wildschweinbraten aus dem Liepener Nebelwald und die Nächte in meinem Gästezimmer. Nur aufgeschreckt durch das Knacken und Knarren des Gebälks und das nahezu geräuschlose Gleiten des Vampirs, wenn er vom Dachfirst in die Dunkelheit gleitet um Angst und Schrecken zu verbreiten.