Extra für Uli – und ein bischen Werbung für meinen neuen Bildband

… und ich ging, bangen Herzens, durch Liepen.
Niemand zu sehen. Na toll…! Wen quatsch ich jetzt an? Latsch ich jetzt einfach aufs Grundstück, direkt vor die Schnauze von Brutus, der Fremde noch nie leiden konnte? Klingel ich? Nee, klingeln ging nicht, weil keine Klingeln da waren. Und die eine Klingel die ich finden konnte, sah aus als hätte sie noch nie funktioniert. So führten mich meine Schritte zu einem Haus, in dessen Vorgarten, offenbar selbstgemachte, kleine Männer aus Eisen standen und ich dachte mir, wer kleine Männer aus Eisen macht, der kann kein schlechter Mensch sein. Zugegeben, eine gewagte These, aber ich sollte Recht behalten.

War nur noch das Problem mit der Klingel, die es nicht gab. Was tun? Die Alternative mit Brutus hatte ich schon durchgespielt und mit 5kg Zuckerkuchen im Bauch war ich ein schlechter Sprinter. Kleine Kiesel gegen die Fensterscheiben…? Klang zu sehr nach unerfüllter Liebe und Minnegesang. Blieb noch rufen. Aber was? Der Leser, der jetzt sagt „Na irgendwas. Ist doch egal!“, der irrt. So ein Ruf muss wohl überlegt sein. Er muss dem Anlass angemessen sein und sich gut anfühlen. Und zwar für den „Angerufenen“ als auch für einen selber. „Hallo, jemand zu Hause?“ fühlt sich noch schlimmer an, als es sich anhört. Ich beließ es also bei einem „Hallo“. Meine Stimme strotzte vor freudiger Erwartung und Tatkraft. Beim vierten „Hallo?“ spürte ich die wärmende Sommersonne im Nacken, die mich hinter vorgehaltener Hand auslachte und mir zuflüsterte „Tja, du Vogel, man ruft ja auch vorher an und macht einen Termin aus.“

Aber dann trat er aus dem Schatten des Hauses in die Sonne und kam auf den Zaun zu. Laut Briefkastenschild war es einer aus dem Clan der Hartwichs. Groß, breitschultrig und sicher nicht zimperlich darin, lästige Fotografen aus dem Dorf zu jagen. Besonders dann, wenn sie um die Mittagszeit klingeln…
Also schnell ein harmloses Grinsen aufgesetzt und die Hand nach vorne gestreckt „Hallo, mein Name ist Marcus Schmigelski, ich bin Fotograf und arbeite an einem Bildband über Mecklenburg-Vorpommern. Ich würde gerne wissen, wie das ist, in so einem ganz kleinen Ort zu leben. Was das für ein Lebensgefühl ist… Darf ich Ihnen ein paar Fragen stellen?“